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WALLSTREET ONLINE: Wenn Warren Buffett auf James Bond trifft: Auf der Jagd nach „Hidden Potentials“

Jens Hillers lässt mit seinem „H&P European Small and Mid Cap Opportunities“ den Wunsch nach einem eigenen Fonds Wirklichkeit werden. Dabei nutzt er seine langjährige Erfahrung als Fondsmanager bei der Allianz. Die wallstreet:online-Redaktion hat ihm beim Fondsmanagement über die Schulter geschaut.

wallstreet:online: Auf Basis von Fundamental-Analysen unterbewertete, westeuropäische Aktien im Small and Mid Cap-Bereich finden und einsammeln – hört sich nach dem europäischen Warren Buffett für kleine und mittlere Unternehmen an. Inwiefern ist dieser Vergleich zulässig?

Jens Hillers: Das Ziel ist das gleiche, d.h. mit geringerem Risiko eine höhere Rendite als der Markt zu erzielen. Ein direkter Vergleich ist natürlich vermessen, in der Vorgehensweise gibt es aber durchaus Parallelen wie z.B. die tiefe fundamentale Analyse, der langfristige Investmenthorizont und die konservative, absolute Bewertung des Unternehmens. Mein Stock Picking-Modell zeichnet sich zusätzlich durch eine sehr hohe Konzentration des Portfolios aus und fokussiert sich konsequent auf gut geführte Unternehmen mit strukturellem Wachstumsprofil. Diese Kombination ist in dieser Form kaum in einem Publikumsfonds zu finden.

wallstreet:online: Herr Hillers, die Strategie Ihres Fonds basiere „auf Informations- und Bewertungs-Ineffizienzen bei Small & Mid Cap-Aktien“, schreibt Ihre Service-KVG Hansainvest auf Linkedin.com. „Informations-Ineffizienzen“ klingen ein wenig nach Geheimdienst-Tätigkeiten à la James Bond. Wie sieht so eine Informationslücke aus, wie finden und füllen Sie diese?

Jens Hillers: Diese Informationslücke ist strukturell bedingt. Viele kleinere börsennotierte Unternehmen stehen nicht im Fokus der Investoren. Wer z.B. 80-120 Titel im Portfolio hat, der kann ein einzelnes Unternehmen auch gar nicht in der Tiefe verstehen. Hinzu kommt, dass viele Investoren kurzfristig agieren und sich stark am Index orientieren. All dies führt in bei relativ niedrigem Handelsvolumen zu einer verzerrten Preisbildung am Markt. Geschlossen werden kann die Informationslücke nur durch eine tiefe, eigene fundamentale Analyse und Bewertung des Unternehmens. Diese wird wie ein Mosaik zusammengesetzt aus den relevanten öffentlich verfügbaren Informationen und den Ergebnissen intensiver Diskussion der entscheidenden Fragen mit dem Unternehmen, Wettbewerbern, Analysten und Industrie-Experten.

wallstreet:online: Sie lassen die Large Caps außen vor und konzentrieren sich auf Aktien von kleineren Unternehmen mit 200 Millionen Euro bis etwa fünf Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Was haben die kleinen und mittleren den Large Caps voraus?

Jens Hillers: Die Attraktivität des Small und Mid Cap Segments ist strukturell bedingt. Diese Unternehmen wachsen stärker als die Large Caps und weisen in Summe ein geringeres Risikoprofil, insbesondere eine niedrigere Verschuldung, auf. Dabei spielt auch eine Rolle, dass viele Unternehmen familiengeführt sind. Hinzu kommt die Liquiditätsprämie und M&A-Aktivitäten, so dass sich über einen langen Zeitraum eine um plus zwei Prozent bis plus drei Prozent p.a. höhere Rendite als am breiten Aktienmarkt erzielen lässt. Dies schließt das aus der vorher beschriebenen Ineffizienz resultierende Potenzial für Zusatzrenditen noch nicht einmal mit ein.

wallstreet:online: Sie haben schon einmal unter Beweis gestellt, dass Sie Rendite mit Small und Large Caps erwirtschaften können. Nur in 2013 lief es performancemäßig nicht so gut. Ein paar Sätze zu Ihrer Vorgeschichte bitte.

Jens Hillers: Gerne, ich habe ein vergleichbares Modell sehr erfolgreich für die Allianz-Gruppe, zuletzt bei Allianz Global Investors, umgesetzt. Gleichwohl muss man konstatieren, dass es kurzfristig Marktphasen gibt, in denen das eigene Modell sich weniger gut als der breite Markt entwickelt. Das war im von Ihnen genannten Beispiel 2013 der Fall. Nach dem Draghi-Put zur Euro-Rettung („whatever it takes“) kam es zu einer dramatischen Neubewertung vieler Aktien in der europäischen Peripherie, die sich durch hohe Verschuldung, hohe Zyklizität und schwache Managementqualität charakterisierten. Genau in diese Unternehmen war ich aber aus guten Gründen nicht investiert. Das hat sich dann allerdings auch wieder sehr schnell umgekehrt. Es empfiehlt sich also, den eigenen Ansatz konsequent beizubehalten.

wallstreet:online: Lassen Sie uns doch etwas genauer in Ihren Werkzeugkasten gucken. Wie gelangt ein Firmenname auf Ihren Schirm und welche drei Informationen sind die entscheidenden, die zur Aufnahme in Ihrem Fonds führen?

Jens Hillers: Es gibt viele Quellen, aus denen Ideen generiert werden. Zunächst einmal die eigene, langjährige Expertise, ich kenne viele Unternehmen und Industrien sehr gut. Bewährt hat sich auch, in großen strukturellen Wachstumstrends nach Unternehmen zu suchen, die sich dort richtig positioniert haben und stark davon profitieren. Hinzu kommen Ideen aus dem eigenen Netzwerk, von Broker-Seite, aus neuen IPOs und aus einem eigenen quantitativen Markt-Screening, das auf Basis selbst definierter Parameter Unternehmen mit wahrscheinlicher Unterbewertung identifiziert. Die hohe Kunst besteht darin, in relativ kurzer Zeit die wenigen, wirklich attraktiven Kandidaten zu identifizieren und diese dann genau zu analysieren. Essentiell für eine Investment-Entscheidung sind a. visibles Wachstum, b. nachhaltig starke Wettbewerbsposition und entscheidend c. eine aktuelle Unterbewertung der Aktie.

wallstreet:online: Welche Rolle spielt der klassische Hidden Champion bei Ihrem Fondsmanagement? Und haben Sie bitte ein paar Beispiele für Hidden Champions nach Ihrer Definition?

Jens Hillers: Bei aller Ineffizienz im Small und Mid Cap-Segment, ein Hidden Champion in enger Definition, der vom Markt noch völlig unbeachtet ist, wird wohl eher im Micro Cap-Segment zu finden sein, d.h. bei einer Marktkapitalisierung von unter 150 Mio Euro. Wenn mit Hidden Champion aber gemeint ist, dass das Potenzial falsch eingeschätzt wird, also das Unternehmen deutlich zu niedrig bewertet wird, dann kommen wir der Sache in meinem Segment schon näher. Insofern würde ich eher von „Hidden Potential“ sprechen. Da fallen mir z.B. konkret Namen ein wie Eurofins (Mid-Cap) oder Hoegh LNG (Small Cap).

wallstreet:online: Sie dürfen Derivate einsetzen. Inwiefern und wann setzen Sie diese riskanten, spekulativen Wertpapiere ein?

Jens Hillers: Der Einsatz von Derivaten im Fonds ist zwar grundsätzlich möglich. Eine kurzfristige Spekulation auf Kursbewegungen schließe ich allerdings vollständig aus. Nur in einem extremen Szenario großer Marktverwerfungen kann ich mir Derivate als Absicherungsinstrument vorstellen. In solchen Situationen sehe ich mich als Portfolio Manager in der Pflicht, den Investment Value der Investoren zu schützen, u.a. auch über eine hohe Cash-Quote.

wallstreet:online: Sie bieten Ihren neuen Fonds ohne Ausgabeaufschlag an. Welche einmaligen und laufenden Kosten fallen für Anleger an, aus denen dann Verwaltung, Verwahrung und Vertrieb der Fondsanteile bezahlt werden?

Jens Hillers: Richtig, der Fonds wird aktuell in den ersten drei Monaten nach Auflage ohne Ausgabeaufschlag angeboten. Die Management-Gebühr liegt mit 1,60 Prozent p.a. für die Privatanleger-Tranche im marktüblichen Rahmen. Hinzu kommen die weiteren marktüblichen Gebühren, die dem Fondsvermögen in Rechnung gestellt werden, insbesondere für die Kapitalverwaltungsgesellschaft und die Verwahrstelle.

wallstreet:online: Ihr H&P European Small and Mid Cap Opportunities ist ein frisches Anleger-Angebot mit dem 15.04.2019 als Auflagedatum. Wie siehts bislang aus beim Fondsvermögen und der Wertentwicklung. Gibt es Trends bei der Anlegerstruktur?

Jens Hillers: Der Fonds ist mit einem kleinen Volumen gestartet und aktuell vier Wochen nach Auflage mit ca. 40 Prozent investiert. Dieser Anteil wird in den kommenden Wochen sukzessive auf zunächst ca. 80 Prozent erhöht. Das aktuelle Marktumfeld ist aufgrund der hohen Volatilität einzelner Aktien hervorragend für Stock Picking geeignet, so dass sich sehr gute Einstiegsmöglichkeiten in langfristig attraktive Investments finden lassen.
Zielanleger sind insbesondere Investoren, die im Niedrigzinsumfeld nach langfristig attraktiven absoluten Renditen suchen, also private Anleger, Vermögensverwalter und Family Offices.
Der Fonds liegt aktuell relativ besser zum Markt, das ist zwar in so kurzer Zeit noch nicht sehr aussagefähig, aber ein guter Start.

wallstreet:online: Und zum Schluss – wenn Sie erlauben – eine private Frage: Wohin führt es Sie – und warum – wenn Sie Ihr Tagwerk erledigt haben?

Jens Hillers: Die wenige freie Zeit gehört meiner Familie. Aber jetzt kommt ja bald der Sommer, da freue ich mich schon auf ein Feierabendbier mit Freunden in einem Biergarten.

wallstreet:online: Herr Hillers, vielen Dank für das Interview!

Kurzvita von Jens Hillers

Die Dynamik und Komplexität des Kapitalmarkts fasziniert Jens Hillers seit dem Börsen-Crash 1986. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Nürnberg und Philadelphia arbeitete er zunächst mehrere Jahre für eine große deutsche Bank im Platzierungsgeschäft für Aktien und Wandelanleihen, u.a. in London. In dieser Zeit erwarb er auch seine CFA-Charter. Zurück in München investierte er mehr als zehn Jahre sehr erfolgreich für die Allianz-Gruppe in europäische Small und Mid Cap-Aktien, zuletzt bei Allianz Global Investors. Nach Gründung seines eigenen Unternehmens (H&P Capital Advisors GmbH) realisierte er gemeinsam mit der CM Equity AG aus München im April diesen Jahres sein Ziel eines eigenen Fonds, den „H&P European Small and Mid Cap Opportunities“.